Ludologie, Gamification und die Ski Challenge

Im folgenden Blogbeitrag lest ihr etwas über Gamification, gut angewandter Beispiele, In-Game-Advertising, erhaltet einen kleinen Einblick in die Ludologie – die Lehre vom Spiel – alles veranschaulicht am Beispiel der Ski Challenge, einem der erfolgreichsten Online-Sports-Events weltweit.

Gamification:
Immer wieder aktuell in den Fachkreisen und der Medienbranche sind die Buzz-Wörter Gamification und In-Game-Advertising. Ich habe mir die beiden Begriffe anhand des Beispiels der Ski Challenge  genauer angesehen.

Gamification beschreibt das Einbetten von Spielen als Kommunikationsmittel in die Außenkommunikation. Dabei dienen Spiele oft dazu einen Kunden erstmals ganz anders anzusprechen und zu erreichen, ihn zu bewegen, dass dieser sich mit dem Unternehmen auf eine neue freiwillige Art auseinander setzt und im besten Fall der Kunde an das Unternehmen gebunden wird. Die Einsetzbarkeit ist vielseitig, denn Spiele können für mobile Endgeräte als Apps programmiert werden, als userfreundliches Browsergame, Facebookanwendung, Konsolenspiel oder sogar als Alternate Reality Game bei dem das Spiel nicht mehr auf ein einziges Medium beschränkt bleibt.

Oft entsteht rund um diese Spiele, angetrieben durch den Wettbewerbsfaktor und das Gemeinschaftsgefühl beim Lösen diverser Aufgabenstellungen, eine ausgeprägte Community, welche sich vor allem in Social Networks zeigt – was meist ein zusätzlicher Grund für die Entwicklung von Spielen als Kommunikationsmittel ist – möglichst viel Earned Media erzielen und Gesprächsstoff bieten.

Natürlich kann und wird mit Gamification nur ein bestimmter und bewusst ausgewählter Teil einer Zielgruppe angesprochen, dafür wird aber versucht bei dieser Gruppe ein möglichst hohes Involvement zu erreichen.

Beispiele für den Einsatz von Gamification:
Die Monsterhetz der Bawag PSK endete im Juli 2012 und lief bereits erfolgreich zum dritten Mal. Dabei wurde eine junge oder erst potentielle Zielgruppe angesprochen, welche die Aufgabe bekam mit ihrem Smartphone „Monster“ vor und in Bawag Filialen zu finden, zu scannen und ein Sammelalbum damit zu füllen. Als Gewinn konnte man neben Smartphone, Digitalkamera & Co natürlich auch ein- bereits gefülltes – Jugendkonto der Bawag PSK abstauben.

Für mich ein Hybrid aus Social Network und Game: Foursquare. Der registrierte User loggt sich mittels Smartphone App ein und gibt bei besonderen Plätzen und Lokalen durch die GPS-Funktion seinen Standort bekannt – dafür erhält er sogenannte Badges und Auszeichnungen. Plätze können bewertet und weiterempfohlen.

Auch Nike+ funktioniert über eine App am Smartphone. Hierbei werden den Usern bei unterschiedlichen Sportarten wieder mittel GPS-Funktion die zurückgelegte Strecke und die Geschwindigkeit angezeigt. Später hat man die Möglichkeit die eigene Leistung mit der von Freunden zu vergleichen. Rund um die App verkauft Nike dann den dazu optimalen neuen Laufschuh, das NikeFuel Armband, welches die sportliche Leistung noch besser dokumentiert, und weitere Produkte.

In-Game-Advertising:
Werden in Spielen – bevorzugter Weise in Sport- oder Rennspielen, wie „Need for Speed“, „Pro Evolution Soccer“ oder eben auch wie bei meinem Beispiel, die „Ski Challenge“ – Werbungen und gebrandete Gegenstände realer Unternehmen platziert nennt man das Ganze In-Game-Advertising. Meist bzw. sollten sie bei guter Arbeit genauso ein Teil des professionell ausgearbeiteten Mediaplans sein.

Die vier ludologischen Prinzipien der Kommunikation:
In meinem letzten Blogbeitrag habe ich sie schon kurz einmal erwähnt, doch hier sind sie noch einmal etwas genauer – die vier ludologischen Prinzipien, leiten sich ab von der Ludologie, der Lehre des Spiels. Hört sich cool und modern an, ist aber schon ein wenig älter, denn Roger Caillois beschäftigte sich 1938 mit der Spielforschung und schrieb die Grundlagen in seinem Werk „Die Spiele und die Menschen“ nieder.
Mittels dieser Prinzipien lässt sich erklären warum Gamification so erfolgreich sein kann und oft auch ist.

  • Agon (Wettkampf):
    Menschen lieben es Ziele zu erreichen und sich mit anderen zu messen.
    Ein kompetitives Element ist in fast allen Spielen vorhanden, eine gewisse Punktezahl die zu erreichen ist, an einen bestimmten Ort innerhalb einer bestimmten Zeit zu gelangen und dabei natürlich immer besser, schneller und effizienter zu sein als der Mitspieler oder Gegner.
  • Aleon (Zufall):
    Menschen lieben es überrascht zu werden.
    Ein Spiel muss Überraschung und unvorhersehbare Elemente mit sich bringen, denn steht schon von Beginn an der genaue Spielverlauf und –ausgang fest, verliert das Spiel seinen Reiz, wird vorhersehbar und langweilig.
  • Mimikry (Maskierung):
    Menschen lieben es in eine andere Rolle zu schlüpfen.
    Menschen genießen die Möglichkeit einmal etwas neues auszuprobieren, jemand anderer zu sein. Ob bei Pro Evolution Soccer die Lieblingsmannschaft zu trainieren oder etwas aus der Spielersicht erleben, oder aber sich bei Sims sich die Traumfamilie basteln.
  • Illinx (Rausch):
    Menschen spielen gerne und wollen immer wieder spielen.
    Der Spieler muss das Gefühl haben immer wieder weiter spielen zu wollen, wieder eintauchen zu wollen in die Welt des Spieles. Das Spiel muss den Spieler berühren, er soll sich damit auseinandersetzen und inspiriert werden.

Analyse der Ski Challenge:
Nun aber zur Ski Challenge, sehen wir uns hier mal an, wie die ludologischen Prinzipien eingebunden sind und ob und wie man hier auf In-Game-Advertising trifft.

Die Ski Challenge – Allgemein:
Die Ski Challenge startet mit der Saison 2013 zum bereits 9. Mal. Die Spieler können die realen Rennstrecken Gröden (IT), Bormio (IT), Wengen (CH), Kitzbühel (AT) und Schladming (AT) online im Wettkampfmodus aber auch offline im Trainingsmodus selbst nachfahren. Nach jedem Rennwochenende wird durch ein Update eine Strecke freigeschalten. Die Ski lassen sich je nach Belieben anpassen und auch das Wetter, welches natürlich auch einen Einfluss auf das Fahrvergnügen und die Geschwindigkeit hat, kann im Trainingsmodus unterschiedlich eingestellt werden. Für die besten Rennzeiten bei den Online Wettkämpfen kann man dann echte Preise erhalten.

Mittlerweile hat die Ski Challenge eine globale Fangemeinde von 6 Millionen Spielern und kann sich somit zu den weltweit beliebtesten Online-Sports-Events zählen.
In den letzten Jahren erscheint die Ski Challenge auch als Version für den Browser und das Smartphone.
Bemerkenswert ist, dass die Ski Challenge gratis download- und spielbar ist, denn sie wird nur durch In-Game-Advertising und die Kooperation mit Partnern finanziert.

Einmal die gleiche Strecke wie Bode Miller oder Benjamin Raich (Mimikry) herunterbrettern,  um Haaresbreite ein Tor verfehlen, besser sein als die Freunde (Agon), seinen Ski an immer wieder verschiedene Wetterverhältnisse anpassen (Aleon) und das ganze immer wieder probieren wollen (Illinx).

Ski Challenge 2013:
Seit 04. Dezember 2012 ist die Ski Challenge 2013 spielbar und geht somit in die 9. Saison. Verbessert hat sich wieder ein wenig die Grafik und die Liebe zum Detail (Publikum, Sonnenschirme, Bergpanorama,…) sonst ist das Spielprinzip das gleiche geblieben – Schnee, zwei Bretter, eine der bekannten Rennstrecken und du, der Skifahrer.sc13_01

Sponsoren Ski Challenge 2013:
Sponsoren findet man in der Ski Challenge 2013 so gut wie keine – auch wenn auf der Homepage der Ski Challenge ausdrücklich gesagt wird, dass sich die Ski Challenge einschließlich über In-Game-Advertising finanziert.sc13_02

Im Spiel findet man:

  • Greentube
    • Für die Vermarktung und Spielentwicklung zuständig
    • Auf der Homepage vertreten
    • Während den Ladezeiten und im Spiel auf den Seitenbanden, Toren und Sonnenschirmen zu sehen
  • Gametwist
    • Ebenfalls mit dem Logo auf dem Ladescreen und innerhalb des Spiels mit teils sehr bunten, knalligen Anzeigen platziert
  • Black Copper Marans
    • Eine Wiener Rockband, welche einem in der Ski Challenge nur einmal mit dem Logo unterkommt wenn man das Design des eigenen Rennläufers auswählt

     

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Ski Challenge 2013 – mein Fazit:

Wenige Sponsoren die im Spiel vertreten sind und trotzdem kann sich das Spiel vollkommen durch In-Game-Advertising finanzieren – wundert mich schon. Für mich ist hier noch sehr viel Potenzial gegeben, welches man gut weiteren Werbepartner anbieten und Werbeplätze vermarkten könnte. Interessant wäre eine Antwort auf die Frage, warum die Werbeanzeigen in der Ski Challenge 2013 lediglich auf die Entwickler- und Spielefirmen Greentube und Gametwist begrenzt wurden. Sollte sich darauf noch eine Antwort finden, werde ich das hier natürlich nachtragen.sc13_06

Ski Challenge 2010:
Zum Vergleich habe ich mir auch eine ältere Version der Ski Challenge angesehen, nämlich die Version von 2010.

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Sponsoren Ski Challenge 2010:
2010 war so einiges noch anders, zum Beispiel die Grafiker noch nicht ganz so ausgefeilt und mit weniger Details versehen. Dafür wollen wir Nachsicht haben und freuen uns über die Sponsoren die hier noch viel zahlreicher aufgetreten sind.

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Im Spiel findet man:

  • UNIQA
    • Logo gleich vorhanden gleich auf der Seite des Hauptmenüs, auf den Helmen der Sportler, den Dressen und auf Werbeflächen im Spiel selbst
  • ORF.at bzw. ORF Online e-Sports
  • Greentube
    • der Spielentwickler der Ski Challenge
  • Hitradio Ö3
    • Erscheint gleich auf der zweiten Menüseite im Spiel und mehrmals auf Werbeflächen im Spielst selbst
  • Kronen Zeitung
    • Auf der zweiten Menüseite und mit einem großen gebrandeten Torbogen nach ca. der Hälfte der Rennstrecke
  • Salomon
    • Einziger Skianbieter im Spiel, stellt für die Ski Challenge ihr Skidesign zur Verfügung, welches dafür natürlich mit ihrem Namen versehen ist und wirbt im Spiel selbst mit Bannerwerbung
  • win2day
    • Der Wettanbieter wirbt mit seinem Logo während dem Spiel auf dem Rücken der Spielfigur
  • Wagner Tiefkühlpizza
    • Gleich beim Start auf der rechten Seite und in der Zieleinfahrt, aber auch fortlaufend während dem Spiel, mit Bannerwerbungen und dem über der Zeitmessung stehenden Link big-pizza.at gehört ebenfalls zu Wagner Tiefkühlpizzen
  • Radiosender FM4
    • Tritt sehr oft im Spiel an den Seitenbannern auf
  • Audi
    • Das Audi-Logo und der Schriftzug sind während der Abfahrt über der Geschwindigkeitsanzeige platziert
  • Die Skigebiete „Hochkar“, „Zauberberg“ und „Stuhleck“
    • vertreten mit Bannerwerbung auf der Seite der Rennstrecke
  • A1
    • Der Telekommunikationsanbieter ist im Spiel mit Bannerwerbung vertreten
  • Good Year
    • Autoreifenhersteller
    • Ist auf der linken Seite des Bildschirms mit dem Logo über der Sprungweitenanzeige platziert, allerdings wird das Logo nur bei Sprüngen (also pro Rennstrecke nur 1-3 Mal) angezeigt
  • Tipp3
    • Durch Bannerwerbungen im Spiel sichtbar
  • Nikon
    • 1-2 gebrandete Heißluftballone während der Rennstrecke – fallen dem konzentrierten Spieler glaube ich kaum auf, auch abhängig von den Wetterverhältnissen – weiters mit einem Heißluftballon im Zielbereich vertreten
  • BuPP.at
    • Die Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen
    • Vertreten mit einem Logo bei der Anzeige der Platzierung der Rennläufer

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Ski Challenge 2010 – mein Fazit:
Alles in allem konnte ich bei der Ski Challenge 16 Sponsoren identifizieren. Für mich ist das eine sehr hohe Zahl und ich bin mir sicher, dass die einzelnen Sponsoren aufgrund der hohen Gesamtzahl den meisten Spielern nicht wirklich auffallen und in Erinnerung bleiben.

sc10_04Auch wenn unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden und sie beide zu den nationalen Radiosendern des ORFs gehören verlieren beide Radiosender, Hitradio Ö3 und FM4 ihre Exklusivität, da sie beide mehrmals im Spiel vertreten sind.

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Zugleich sind auch zwei Wettanbieter im Spiel präsent – win2day und tipp3 – beide stark im Spiel vertreten, hier hätte ich als einer der beiden auf das Exklusivitätsrecht als Sponsor der Ski Challenge gepocht um als alleiniger Wettanbieter präsent zu sein.

Außerdem konnte ich feststellen, dass die Ski Challenge 2010 noch sehr stark vom ORF als Herausgeber geprägt war, was sich in den Folgejahren bekanntlich änderte.

Quellen:
http://www.adtractive.de/digitale-spielwiese/?p=24
http://dausacker.net/content/ludologie
http://www.skichallenge.at/de/
http://www.ski-challenge.com/
http://www.greentube.com

http://www.gametwist.at/
http://www.homodiscens.com/home/embodied/ludens_sake/caillois/index.htm

Alle Onlinequellen wurden zuletzt am 06.01.2013 abgerufen!

Alle Bilder sind selbsterstelle Screenshots und entstammen entweder aus der Skichallenge 2011 oder aus der Skichallenge 2013.

 

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